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Bericht über eine Steyr Puch Haflinger Restauration

Thomas Pelzl verlor den Wunsch nach einem Puch Haflinger nie aus den Augen und so konnte er sich im Mai 1991 doch schlussendlich einen Steyr Puch Haflinger 700AP, Bj. 1960, unter den Nagel reißen. Nachfolgend eine kurze Geschichte über das in Rede stehende Fahrzeug:

Zuvor ein kleiner Lebensablauf:

Mein Name ist Thomas Pelzl, wurde 1958 in Graz geboren (also ein Jahr vor der offiziellen Präsentation des Puch Haflingers) und war bis 2008 in Graz wohnhaft und zog dann aus privaten Gründen nach Wien.

Wie man unschwer aus meinem Geburtsjahr erkennen kann, bin ich mit dem Puchwerk und dessen Produkten aufgewachsen. Das Puchwerk war ständig in der Bevölkerung präsent.

Auch heute noch bin ich Puchaffin: Besitze ein paar Puch-Fahrräder, zwei Puch Maxi, ein Puch-Bergmeister (welchen ich Ende der 60iger Jahre von meinem Taschengeld selbst gekauft habe) und ein Puch 700 C (allerdings auch restaurationsbedürftig) befinden sich im Puch-Museum in Graz. Ein zweiter Puch Haflinger harrt auch noch der Restauration.

Doch nun zum Objekt der Begierde und dem Grund dieser Reportage:

Graz war und ist seit jeher Garnisonsstadt und als es galt die alten Willys Jeep durch neue Fahrzeuge zu ersetzten, wurde vom Bundesheer der Puch Haflinger angeschafft. So ließ es sich nicht vermeiden, dass dieses Fahrzeug hin und wieder im Grazer Stadtverkehr auftauchte und er zog mich sofort wegen seines knuddeligen Aussehens – quadratisch, praktisch, handlich – und seines plärrenden Motors, als gäbe es „kein Morgen“, in seinen Bann. Auch kam dabei ein wenig Mitleid mit dem Motor aufgrund seines Geräusches auf. Summa summarum gesehen: Eine Handvoll Auto unterm Hintern!

Jahrelang quälte ich meinen Vater mit der Bitte, er möge sich doch einen Puch Haflinger für die Fahrten mit der Familie anschaffen. Wir hätten sogar Alle Platz gehabt: Die klassische Familie: Vater, Mutter, Sohn und Tochter. Geworden ist es dann im Endeffekt ein Puch 700 C mit dem wir dann zu Viert von Graz nach Abbazia mehrmals auf Urlaub gefahren sind. Man bemerke: Damals gab es keine durchgehende Autobahn von Graz nach Koper…

Ich aber verlor den Wunsch nach einem Puch Haflinger nie aus den Augen und so konnte ich mir im Mai 1991 doch schlussendlich einen Steyr Puch Haflinger 700AP, Bj. 1960, unter den Nagel reißen. Nachfolgend eine kurze Geschichte über das in Rede stehende Fahrzeug:

Bei diesem Fahrzeug handelt es sich um ein Baujahr 1960 mit den damaligen originalen Kennzeichen „W 161.880“. Weiters ist dieses Baujahr auch an den fehlenden Handdeckel hinten, seitlich bei der Motorverkleidung zu erkennen. Außerdem  wurde nur ein einfacher Schaltknauf ohne eingravierte Schaltkulisse verwendet. Man beachte auch die niedrige Fahrgestellnummer 5350617. Bei diesem Baujahr wurde noch eine Plane aus Leinenstoff verwendet, erst ab Bj. 1962 wurden Planen aus Kunststoff verwendet.  Das Kürzel „AP“ steht für „ArbeitsPlattform“.

Das Fahrzeug wurde in der Heereskraftfahrschule in der Martinekkaserne/Baden (HKS) für die Ausbildung der Fahrlehrer verwendet (erkennbar an den Aufschriften und dem Korpsabzeichen).

Voller Freude und als stolzer Besitzer eines Haflingers zu sein, ging es nach Hause. Da ich immer nur die knarrenden, rauchenden und lackierten Autos gesehen habe, hatte ich für die Technik und deren Ausführungen wenig Ahnung bis kein Interesse, solange das „Ding“ gefahren ist.

Nun kam wie es kommen musste: Mit der Zeit musste ich mich dann wohl auch um das Fahrzeug kümmern und kam nach und nach drauf, was das für ein Baujahr war, welche Ausführung und was da alles fehlte. Damals ohne Internet, WhatsApp und dgl. musste ich mich durch Fragen und bei Treffen in die Materie hineinarbeiten, fragen bzw. lesen.

Im Laufe der Jahre besuchte ich das eine oder andere Haflingertreffen in Österreich, nahm auch einmal am Seiberer Bergpreis teil, wobei hier die Teilnahme fast gescheitert wäre. Das Glas des Benzinfilters ist mir aus bisher unerklärlichen Gründen gebrochen und so wäre eine Teilnahme daher unmöglich gewesen. Ein Spezi von mir, der ebenfalls mitgefahren ist, hat das dann irgendwie repariert und so konnten wir am Rennen teilnehmen.

Nun, die Treffen in Österreich wurden immer geringer bis es dann gar keine mehr gab. Die Szene kam in die „Jahre“, man knüpfte schon zu Beginn Bekannt- und Freundschaften, man lernte wer Wen von wo kennt, dass in dieser kleinen Szene sich Alle untereinander kennen und so baute man Verbindungen auf.

Mit der Zeit merkte ich wohl, dass eine Restauration einmal unausweichlich sein würde, ich diese aber immer wieder hinauszögerte, da mir das Umfeld dazu, eine eigene Garage mit Hebebühne, fehlte.

Eines Tages im Sommer 2018 nutze ich die Vorteile des Internets und stöberte darin nach Geländewagen-, respektive nach Haflingertreffen. Und plötzlich: Es war ein Jubiläumstreffen für Puch Haflinger, anlässlich 60 Jahre Puch Haflinger, am 2.Mai 2019 in Passail in der Steiermark, ausgeschrieben.

Es gab mir einen Stich, einen enormen Motivationsschub, zumal ich zu diesem Zeitpunkt nun schon eine eigene Garage mit Hebebühne mein Eigen nennen durfte. Weiters war mein handwerkliches Geschick schon so weit gediegen, dass ich mir eine solche Restauration zutraute, zumal die Wanne des Haflingers dazu ein ideales Objekt ist: Keine Türen, kein Kofferraum, kein Dach und auch keine ausgeprägte Motorhaube. Einfache, simple Blechprägung und somit händlebar.

Gesagt, getan: Im August 2018 begann das Vorhaben „Restauration“. Das Fahrzeug wurde nach und nach zerlegt, immer den Termin 2. Mai 2019 im Hinterkopf. Wird sich schon ausgehen, ist ja nicht viel zu restaurieren…

Um die letzten handwerklichen Fähigkeiten zu bekommen besuchte ich in Schweinfurt und in Bochum Blechbearbeitungskurse. Und gut war es: Denn die Wanne bedurfte schon einiger Blecharbeiten. So fertigte ich mir eine Schablone an um die Sicken in der richtigen Abmessung treiben zu können. Da ich merkte, dass sich das Ganze enorm in die Länge ziehen wird und es doch länger brauchen wird als ich mir in Unkenntnis der Materie vorstellte, musste ich dann wohl oder notwendig jeden Tag in der Garage sein. Ab 7 Uhr früh bis spät in den Nachmittag, jedes Wochenende, Feiertags, Weihnachten, Silvester und Neujahr. Auch der Urlaub musste dran glauben!

Die Überholung des Fahrgestells schränkte sich auf den Abbau von Vorder- und Hinterachse ein, Überholung der Bremsen, neue Bremsleitungen. Der Motor verblieb in seinem Zustand (den habe ich erst 2022 nach einem Schaden an der Kupplungsdruckplatte komplett neu mit Mitglied des Steyr-Puch-Clubs bewerkstelligt).

Die Versteifungen der Wanne an der Vorderachse mussten komplett entfernt werden. Dabei kam zum Vorschein, dass schon Jemand zuvor über die originalen, total verrosteten Versteifungen schon neue Bleche darüber gestülpt worden sind und diese waren nun auch schon angerostet. Auch die Befestigungen der Wanne an der Hinterachse, dort wird die Wanne mit lediglich zwei M12 Schrauben an den Federbeinen befestigt, waren aufgrund der Verwindung beim Geländefahrten aufgerissen.

Weiters musste zwischen den gen. Befestigungen hinten und der Motorhaube auf der ganzen Breite ein Blech mit einer Sicke entfernt und erneuert werden. Hier machten sich die Kurse für Blechbearbeitung mehr als bezahlt, denn nun konnte ich mein erworbenes Wissen hier in die Tat umsetzen.

Ebenso wurden die Werkzeugkästen durch Neue und Teile an der Wannenfront durch ein neues Blech ersetzt. An den Versteifungsprofilen seitlich wurden Rostlöcher ausgeschnitten und ebenso neue Bleche eingeschweißt.

Beim Entfernen der alten Bleche wurden Nester von Köcherfliegen in den verschiedensten Ritzen und Öffnungen gefunden. Die mussten sich dort sehr wohl gefühlt haben. Selbst ein Puchfahrzeug bietet Naturschutz.

Zwei Kameraden haben mir dann bei technisch Aufwendigeren Dingen (Überholung der Bremsen und Anschweißen der Befestigungshülsen für die Wanne auf den Federbeinen)  wohl unter die Arme gegriffen, da diese das gelernt hatten und ich hier mich nicht im Ausprobieren profilieren wollte.

Jeder Schweißpunkt wurde ausgebohrt, das alte Blech entfernt, neue Schweißlöcher ausgebohrt bzw. mittels Zange ausgestochen. Ständiges Messen und nachrichten, damit später alles wieder in seinen Abmessungen passt.

Schön langsam näherte sich der Termin des Treffens. Um nicht Gefahr zu laufen, im kalten lackieren zu müssen (was ja sowieso wegen der Temperaturen nicht ging), stellte ich in der Garage, welche gottseidank groß genug ist, ein Partyzelt auf, schloss eine Heizkanone an und blies so warme Luft ins Partyzelt um schon mal Kleinteile lackieren zu können. Da das kein Allheilmittel ist, war immer klar und so hoffte ich auch den Klimawandel und eine frühzeitige Erwärmung der Umgebungsluft um im Freien lackieren zu können. Ansonsten bin ich kein Wetterbeobachter, aber diesmal habe ich akribisch jeden Tag die Wetterberichte verfolgt.

Sobald es von der Temperatur her möglich war, schob ich die Wanne, welche ich auf einem „selbstgestrickten“ beweglichen Gestell montiert hatte, ins Freie um mal zu grundieren. Zusätzlich habe ich mir für dieses Transportgestell eine Drehvorrichtung angefertigt, um die Wanne herumdrehen zu können und so besser an die verwinkelten Stellen beim Lackieren zu gelangen.

Da auch die Lackierung dann mal zu Ende gebracht werden konnte, gings wieder ans montieren der abgebauten Teile.

Der Kabelstrang wurde komplett erneuert und von einem guten Freund von mir gefertigt. Dieser hat mir dann auch bei der Installation des Kabelstranges geholfen.

Obwohl es nun rasch von Statten ging, rückte der Termin des Treffens unaufhaltsam näher.

Und tatsächlich: Am letzten Tag vor dem Treffen, sozusagen am letzten Drücker, wurde der Motor am 1. Mai 2019, um 14:15 Uhr, gestartet und alles war wie immer Dank verlässlicher Puchtechnik.

So stand einer Teilnahme am Haflingertreffen in Passail am nächsten Tag nichts mehr im Wege und auf gings dann nach Passail.

Doch dem nicht genug: Vom 12.5 bis 16.5.2022 fand in Hafling in Südtirol ein Puch Haflingertreffen teil. Davon wird es dann auch noch zu berichten sein.

Thomas Pelzl